Alles über Coaching-Ausbildungen

Umfang und Dauer von Coaching-Ausbildung

Anforderungen und Empfehlungen

Welche formalen Anforderungen bezüglich des zeitlichen Umfangs und der Dauer von Coaching-Ausbildungen gibt es? Empfehlungen der Coaching-Verbände und der Stiftung Warentest können dabei als Orientierungsrahmen dienen.

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Mehrere Uhren hängen an Ketten und ein Mann springt von Uhr zu Uhr.

Zeitlicher Umfang und Gesamtdauer

Der zeitliche Umfang und die Gesamtdauer von Coaching-Ausbildungen sind je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es existieren Angebote, die von kurzen Seminaren bis hin zu mehrjährigen Weiterbildungen auf dem Niveau von Psychotherapieausbildungen reichen. Ende 2016 existierten mindestens 19 Coaching-Ausbildungsangebote im deutschsprachigen Raum mit einem Umfang von maximal 50 Zeitstunden sowie drei Coaching-Ausbildungsangebote mit mindestens 500 Zeitstunden. Dazwischen fanden sich über 90 Angebote mit Coaching-Ausbildungen, die einen Umfang von 150–450 Zeitstunden aufweisen. Entsprechend werden damit unterschiedliche Zielgruppen bedient und eine variierende Ergebnisqualität erzeugt:

„Ein Wochenendseminar wird aus interessierten Amateuren keine Coaches »entwickeln« können. Hierzu sind wissenschaftlich fundierte, praktisch erprobte und erfolgreich evaluierte Curricula notwendig, die sich an gewissenhaft selektierte Ausbildungsgruppen richten“ Drexler, A. (2013, S. 53).

Standards der Coaching-Verbände

Orientiert man sich an den Standards der Coaching-Verbände, so wird hier als Minimalkonsens in einem Positionspapier die Empfehlung geben, „dass der zeitliche Umfang für eine Basisqualifizierung 150 Präsenzstunden zu je 60 Minuten in Anwesenheit von qualifiziertem Lehrpersonal nicht unterschreitet“ (Roundtable der Coachingverbände, 2015, S. 4), wenngleich andere Coaching-Verbände, die durch das Positionspapier nicht repräsentiert sind, hier deutlich höhere Stundenzahlen als Standards definiert haben: So fordert die Systemische Gesellschaft für die Weiterbildung „Systemisches Coaching“ 375 Zeitstunden Gesamtumfang bei einer Mindestdauer von 18 Monaten und für die darauf basierende „Aufbauweiterbildung Systemisches Coaching“ 225 Zeitstunden Gesamtumfang bei einer Mindestdauer von 12 Monaten (Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e. V., 2015).

Empfehlungen der Stiftung Warentest

Richtet man sich nach den Empfehlungen der Stiftung Warentest umfasst eine Basisqualifikation zum Coach „mindestens 250 Zeitstunden Präsenzunterricht“ bei einer Mindestdauer von 12 Monaten (Stiftung Warentest, 2013, S. 3). Aktuell erfüllen jedoch nur ca. 60 Coaching-Weiterbildungsangebote diese Forderung, dies sind weniger als 15 Prozent des Gesamtmarktes im deutschsprachigen Raum.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Klenner und Bischofberger (2014) haben in ihrer Untersuchung festgestellt, dass die durchschnittliche Coaching-Ausbildung eine Dauer von 15,68 Monaten aufweist (n=208). Dabei stellen Coaching-Ausbildungen mit einer Dauer von sieben bis zwölf Monaten mit 41,3 Prozent die größte Gruppe da, die zweitgrößte Gruppe sind mit 25,5 Prozent Coaching-Ausbildungen mit einem Umfang von 13 bis 18 Monaten. 23,1 Prozent der Coaching-Ausbildungen dauern länger als 19 Monate, allerdings sind auch 10,1 Prozent der Coaching-Ausbildungen kürzer als sieben Monate. Das Minimum lag bei einem Monat, das Maximum bei 42 Monaten (ebenda, S. 28 f.).

Qualifikation & Erfahrung der Teilnehmer ist essentiell

Grundsätzlich ist bzgl. der Dauer bzw. des Umfangs einer Coaching-Weiterbildung eine reine Fokussierung auf die Gesamtstundenzahl eine nur eingeschränkt hilfreiche Perspektive. Zwar ist bei einer sehr geringen Stundenzahl offensichtlich keine intensivere Weiterqualifizierung zu erwarten. Andererseits ist es allerdings auch notwendig, die Qualifikation unterschiedlicher Zielgruppen am Beginn der Weiterbildung einzubeziehen. Bei gering ausgeprägter Qualifikation bzw. Erfahrung zu Beginn der Coaching-Weiterbildung kann tendenziell davon ausgegangen werden, dass eine möglichst umfangreiche Qualifizierungsmaßnahme angemessen ist. Bei umfangreicher Qualifikation zu Beginn der Coaching-Weiterbildung scheint im Umkehrschluss eine jahrelange Weiterbildung nicht zwingend notwendig, da zahlreiche Kompetenzen bereits vorhanden sein können, was im Einzelfall genauer zu prüfen wäre.

Fazit

Der Umfang einer Coaching-Ausbildung ist daher stets unter Berücksichtigung der Voraussetzungen, die an die Teilnehmer gerichtet bzw. von diesen erfüllt werden, zu betrachten. Zudem gilt dieses Argument auch für die Inhalte der Weiterbildung, da diese zu der Qualifikation und der Zielsetzung der Teilnehmer eine Passung aufweisen sollten. Die Empfehlungen der Verbände bzw. der Stiftung Warentest können dabei als Orientierungsrahmen angesehen werden.

Im Rahmen seiner Dissertation über Qualitätsstandards von Coaching-Ausbildungen hat Dr. Christopher Rauen den deutschsprachigen Coaching-Ausbildungsmarkt eingehend untersucht. Die Ergebnisse seiner Analyse werden Ihnen hier auszugsweise präsentiert.

Literatur

  • Drexler, A. (2013). Berufliche Kompetenzentwicklung von Coaches in Ausbildung. Coaching-Magazin, 2, 49–53.
  • Klenner, D. & Bischofberger, B. (2014). Übungsformen in Coaching-Weiterbildungen – Ergebnisse einer Online-Befragung. OSC Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 21(1), 21–37.
  • Roundtable der Coachingverbände (2015). Profession: Coach. Ein Commitment des Roundtable der Coachingverbände.
  • Stiftung Warentest (2013). Coaching im beruflichen Kontext. Was eine gute Einstiegsqualifizierung bieten sollte. test.de, 27.09.2013.
  • Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e. V. (2015). Rahmenrichtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemisches Coaching“. Version vom 30.07.2015.

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