Die Teilnehmerzahl einer Coaching-Ausbildung reicht von einer Person bis zu Großgruppen und weist damit eine ähnliche Varianz wie der Stundenumfang auf. Experten empfehlen i. d. R. die Arbeit in Gruppen und begründen deren anzustrebende Größe mit inhaltlichen Überlegungen:
„Dabei kann die Gruppengröße von acht bis 18 Personen variieren. Es sollten in jedem Fall noch Face-to-face-Kontakte in einem Plenum möglich sein. Andererseits ist die Gruppengröße von sechs Personen nicht zu unterschreiten; sonst wäre sie zu klein, um eine angemessene Vielfalt an Argumentationsmustern zu erbringen und Methoden aufzuzeigen“ (Schreyögg, 2012, S. 391).
Folgt man der Argumentation von Schreyögg, bergen Coaching-Ausbildungen mit weniger als sechs Teilnehmern die Gefahr der eingeschränkten inhaltlichen und methodischen Variation. Entsprechend hoch sind demnach die Ansprüche an die Dozenten der Angebote anzulegen, die Weiterbildungen mit einzelnen Personen bzw. in kleinere Gruppen durchführen. Vorteilhaft dürften kleinere Gruppen hingegen dann sein, wenn ein möglichst individualisiertes Lernen angestrebt wird.
Eine weitere Orientierung bzgl. einer angemessenen Teilnehmerzahl bieten zudem Kostenaspekte – tendenziell sind individualisierte Weiterbildungen teurer – und die Betreuungsdichte der Teilnehmer durch die Dozenten der Coaching-Weiterbildung.
„In der Einzelarbeit und in kleineren Gruppen (unter zehn Personen) kann intensiv und individuell gelernt werden. Größere Gruppen (bis 20 Personen) bieten hingegen mehr Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch und sind i.d.R. für den Einzelnen kostengünstiger. Eine Orientierung kann hier die Betreuungsintensität pro Teilnehmer geben: Ein Dozent sollte nicht mehr als zehn Teilnehmer betreuen, d.h. in größeren Gruppen sollte (mindestens) ein weiterer Dozent dauerhaft zur Verfügung stehen“ (Rauen & Steinhübel, 2005, S. 302).
Auch die Stiftung Warentest betont die Aspekte des gegenseitigen Austausches und der Betreuungsintensität pro Teilnehmer im Zusammenhang mit der inhaltlichen und methodischen Variation.
„Die Teilnehmergruppe sollte 10 bis 15 Personen umfassen, denn Coaching-Qualifizierungen leben auch vom Austausch der Teilnehmer. Eine Gruppe dieser Größe sollte von mindestens zwei Dozenten kontinuierlich begleitet werden, die aber nicht immer gleichzeitig im Unterricht anwesend sein müssen. So lernen die Teilnehmer unterschiedliche Konzepte, Methoden und Techniken des Coachings kennen. Umfasst die Gruppe mehr als 15 Personen, sollten mindestens zwei Dozenten gleichzeitig anwesend sein“ (Stiftung Warentest, 2013, S. 10).
Eine Unschärfe bleibt bei diesen Empfehlungen der Stiftung Warentest jedoch einerseits die befürwortete Limitation auf 15 Teilnehmer, andererseits der Hinweis auf gleichzeitige Präsenz-Dozenten bei größeren Gruppen.
Schlussfolgernd lässt sich daraus die Regel ableiten, dass eine Überschreitung der Gruppengröße von 15 Personen wohl begründet sein sollte und nicht zu Lasten der Betreuungsintensität gehen darf (vgl. Lippmann, 2016, S. 14). Als Untergrenze kann auf der anderen Seite die Empfehlung von mindestens sechs Teilnehmern von Schreyögg (2012, S. 391) gesehen werden. Auch hier gilt die Schlussfolgerung, dass eine Unterschreitung dieser Grenze ebenfalls einer Begründung bedarf, die Bedenken bzgl. einer eingeschränkten inhaltlichen Vielfalt schlüssig entkräften kann.
Im Rahmen seiner Dissertation über Qualitätsstandards von Coaching-Ausbildungen hat Dr. Christopher Rauen den deutschsprachigen Coaching-Ausbildungsmarkt eingehend untersucht. Die Ergebnisse seiner Analyse werden Ihnen hier auszugsweise präsentiert.