Alles über Coaching-Ausbildungen

Definition Coaching-Ausbildung

Coaching-Ausbildung oder Coaching-Weiterbildung?

Im Folgenden wird der Begriff "Coaching-Ausbildung" bzw. "Coaching-Weiterbildung" definiert. Allerdings ist eine Definition nur bedingt möglich, da der nationale wie international Wissensstand rudimentär ist und kein einheitlicher Standard existiert.

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Das Bild zeigt den Ausschnitt eines Kompasses. Der Zeiger zeigt auf das Wort Ausbildung.

Coaching-Ausbildungen dienen der Qualifizierung von Coaches (Rauen & Steinhübel, 2005c). Da eine Qualifizierung zum Coach i.d.R. eine vorhandene Erstausbildung bzw. Berufsausbildung voraussetzt (vgl. Schreyögg, 2012, S. 390 ff.) und Coaching bisher in Deutschland keinen staatlich geregelten Ausbildungsberuf darstellt, handelt es sich genau genommen nicht um Coaching-Ausbildungen, sondern um Coaching-Weiterbildungen (Rauen, 2006, S. 58; vgl. Viquerat & Lohl, 2003; Stiftung Warentest, 2013b, S. 2).

Dennoch werden sie im deutschsprachigen Raum überwiegend als „Coaching-Ausbildungen“ bzw. „Coach-Ausbildung“ oder „Ausbildung zum Coach“ bezeichnet, auch um eine Differenzierung von einer Weiterqualifizierung von (bereits qualifizierten) Coaches vornehmen zu können. Neben dem Begriff der „Coaching-Weiterbildung“ wird teilweise synonym auch der Begriff „Coaching-Fortbildung“ benutzt. Im Folgenden werden die beiden Begriffe „Coaching-Ausbildung“ und „Coaching-Weiterbildung“ sinngleich verwendet.

Literatur zum Thema Coaching-Ausbildung

Obwohl es zahlreiche deutschsprachige Internetseiten gibt, die zumindest sprachlich einen Bezug zu dem Thema erkennen lassen und Coaching-Ausbildungen seit 1989 im deutschsprachigen Raum angeboten werden, ist der Umfang an vorhandener Literatur gering. Eine Literaturrecherche (Stand: Juli 2017) zu relevanten Veröffentlichungen ergab – auch unter Berücksichtigung von unveröffentlichten Bachelor-, Diplom- und Masterarbeiten, Zeitschriften- und Internetartikeln sowie Büchern und Buchbeiträgen und den Standards der Coaching-Verbände – lediglich 103 deutschsprachige Quellen, die aus den Jahren 1994 bis 2017 stammen.

Entsprechend verhält es sich mit englischsprachiger Literatur zum Thema, auch hier findet sich nur eine vergleichsweise geringe Zahl von 29 Quellen, wenn man die Recherche auf Coaching im Non-Sport-Bereich und auf wissenschaftlich ausgerichtete und fundierte Publikationen fokussiert.

Da die deutschsprachige Coaching-Literatur insgesamt mehr als 2.573 Quellen umfasst (siehe Coaching-Report – Stand: 05.03.2019) – die darin enthaltene Coaching-Ausbildungsliteratur somit ca. fünf Prozent  davon ausmacht –, spiegelt sich in der vergleichsweise geringen Zahl von deutschsprachigen und englischsprachigen Veröffentlichungen der Eindruck wider, dass Coaching-Ausbildungen überwiegend praktisch genutzt werden.

Obwohl Coaching-Weiterbildungen in Deutschland seit fast 30 Jahren angeboten werden und über 400 Anbieter existieren, ist eine fachlich fundierte, theoretische Auseinandersetzung bzw. Beschreibung des Themas bisher eher gering ausgeprägt (vgl. Klenner, 2017, S. 19). Diese Schlussfolgerung legt darüber hinaus die nochmals deutlich geringere Anzahl wissenschaftlichen Publikationen zu der Thematik nahe.

Coaching-Studiengänge an Universitäten und Hochschulen

Auch wenn akademische Einrichtungen wie Hochschulen und Universitäten im deutschsprachigen Raum zunehmend Coaching-Weiterbildungen anbieten (Ebermann, 2016a; 2016b; 2016c), scheint der Anteil an empirischen Untersuchungen mit wissenschaftlichem Standard gering (Klenner, 2017, S. 17–41). 

Dies ist bemerkenswert, zumal relativ früh erste Forschungsansätze in dem Bereich existierten: In der Untersuchung von Brüning (1994), veröffentlicht von Roth, Brüning und Edler (1995), wurden 18 erfahrene Coaches nach ihrem Berufsverständnis befragt und die Antworten qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse waren uneinheitlich, allerdings sprachen sich fünf Coaches für einen Qualifikationsweg auf der Basis eines Psychologiestudiums samt psychotherapeutischer Ausbildung aus, vier Coaches präferierten die Kombination von Betriebswirtschaft und Psychologie und drei Coaches sprachen sich für ein beliebiges Studium aus, wesentlich sei eine Therapieausbildung. Von acht Coaches wurde permanente Supervision als Teil der Qualifikation zum Coach angesehen (Brüning, 1994, S. 140 f.).

Verschiedene Coaching-Verbände* haben zwar mit dem Anspruch der Professionalisierung ihrer Branche Standards für Coaching-Weiterbildungsangebote formuliert, die Unterstützung wissenschaftlicher Forschung in dem Feld ist auch hier jedoch bisher kaum ausgeprägt:

Zusammengefasst betrachtet kann der Wissensstand national wie international bestenfalls als rudimentär angesehen werden.

Charakteristika von Coaching-Weiterbildungen

Eine Definition des Coaching-Weiterbildungsbegriffes ist unter Berücksichtigung dieses vorläufigen Wissensstandes nur bedingt möglich, zumal, wie Schmidt bereits 2003 (S. 25) ausführte, bei Coaching-Weiterbildungen kein einheitlicher Standard existiert – eine Feststellung, deren Gültigkeit auch heute noch als zutreffend angesehen werden kann. Dennoch lassen sich der Literatur und bedingt durch die wenige aber vorhandene Forschung diverse Charakteristika von Coaching-Weiterbildungen entnehmen.

Daher wird mit Verweis auf die Kompetenzmodelle für den hauptberuflichen Coach die folgende Arbeitsdefinition des Begriffs „Coaching-Weiterbildung“ verwendet: 

Eine Coaching-Weiterbildung ist eine

  • auf der Basis eines Kompetenzmodells und eines Qualifizierungskonzeptes
  • didaktisch nachvollziehbar aufgebaute und strukturiert durchgeführte Lehr- und Lernmaßnahme
  • unter Begleitung, Anleitung und Supervision durch umfassend qualifizierte Dozenten zum
  • fachlichen und methodischen Kompetenzerwerb und zum
  • Ausbau von sozialen und personalen Kompetenzen und der
  • bewussten Selbstveränderung und Selbstentwicklung
  • für Personen, die über eine berufliche Erstausbildung und Berufserfahrung (Feldkompetenz) verfügen und
  • vollständige Coaching-Prozesse eigenständig durchführen möchten.

(vgl. Rauen & Steinhübel, 2005c, S. 290–307; Greif, 2008, S. 59; Lippmann, 2015; 2016). 

Idealerweise umfasst eine Coaching-Weiterbildung mindestens 150 Zeitstunden (Roundtable der Coachingverbände, 2015, S. 4), die nicht in einer Einheit, sondern über einen längeren Zeitraum absolviert werden und in einer Gruppe stattfinden (vgl. Schreyögg, 2012, S. 390 ff., Stiftung Warentest, 2013a; 2013b).

* Deutscher Bundesverband Coaching e. V., 2014; Deutscher Coaching Verband e. V., 2016; Deutsche Gesellschaft für Coaching e. V., 2012a, 2013b; Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V., 2016a, 2016b; Deutsche Gesellschaft für Supervision e. V., 2013; Deutscher Verband für Coaching und Training e. V., 2012; European Association for Supervision and Coaching e. V., 2014; Qualitätsring Coaching und Beratung e. V., 2012; Roundtable der Coachingverbände, 2015; Swiss Society for Coaching Psychology, 2014; Systemische Gesellschaft e. V., 2015; Verband Ganzheitliches Führungs- und Persönlichkeits-Coaching e. V., 2015.

Im Rahmen seiner Dissertation über Qualitätsstandards von Coaching-Ausbildungen hat Dr. Christopher Rauen den deutschsprachigen Coaching-Ausbildungsmarkt eingehend untersucht. Die Ergebnisse seiner Analyse werden Ihnen hier auszugsweise präsentiert.

Literatur

  • Brüning, M. (1994). Coaching – Möglichkeiten und Grenzen eines individualistischen Personalentwicklungsinstruments. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Trier.
  • Deutscher Bundesverband Coaching e. V. (DBVC) (2012). Coaching als Profession. Kompendium mit den Professionsstandards des DBVC (4. Aufl.). Frankfurt/M.: DBVC.
  • Deutscher Bundesverband Coaching e. V. (DBVC) (2014). Qualitätsstandards des DBVC für Coaching-Weiterbildungen. Verfügbar unter www.dbvc.de/service/downloads/qualitaetsstandards-fuer-coaching-weiterbildungen.html
  • Deutscher Coaching Verband e. V. (DCV) (2016). Zertifizierungsordnung. Version vom 12.02.2016. Verfügbar unter https://coachingverband.org/zertifizierungsordnung/
  • Deutsche Gesellschaft für Coaching e. V. (DGfC) (2012a). Standards Qualifizierung zum Mastercoach. Version vom 01.07.2012.
  • Deutsche Gesellschaft für Coaching e. V. (DGfC) (2013b). Standards Qualifizierung zum Coach. Version vom 08.04.2013.
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF) (2016a). Richtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemisches Coaching (DGSF)“ als Aufbauweiterbildung. Version vom September 2016. Verfügbar unter www.dgsf.org/zertifizierung/dgsf/zertifizierung-richtlinien/coaching-aufbau-integriert
  • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF) (2016b). Richtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemisches Coaching (DGSF)“ als Grundweiterbildung. Version vom September 2016. Verfügbar unter www.dgsf.org/zertifizierung/dgsf/zertifizierung-richtlinien/coaching-grundstaendig
  • Deutsche Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv) (2013). Standards für die Qualifizierung zur/zum Supervisor/in der Deutschen Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv). Version vom 22.11.2013. Verfügbar unter www.dgsv.de/wp-content/uploads/2018/04/DGSv_Standards_2013_web.pdf
  • Deutscher Verband für Coaching und Training e. V. (dvct) (2012). Anforderungen für die Ausbildungen an dvct-Mitgliedsinstitute. Version vom Januar 2012.
  • Ebermann, D. (2016a). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 1: Übersicht akkreditierter Masterstudiengänge. Coaching-Magazin, 2, 9–11.
  • Ebermann, D. (2016b). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 2: Zertifikatsstudiengänge. Coaching-Magazin, 3, 9–11.
  • Ebermann, D. (2016c). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 3: Angebote in Österreich und der Schweiz. Coaching-Magazin, 4, 9–11.
  • European Association for Supervision and Coaching e. V. (EASC) (2014). Qualitätsstandards der EASC.
  • Greif, S. (2008). Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Göttingen: Hogrefe.
  • Klenner, D. (2017). Die Übungspraxis in Coachingweiterbildungen: Strukturevaluation eines ausgewählten Formats. Wiesbaden: Springer VS.
  • Klenner, D. & Bischofberger, B. (2014). Übungsformen in Coaching-Weiterbildungen – Ergebnisse einer Online-Befragung. OSC Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 21(1), 21–37.
  • Lippmann, E. (2015). Was macht einen Coach zum Coach? Weiterbildung und Qualifizierung. Coaching | Theorie & Praxis, 1(1), 51–60.
  • Lippmann, E. (2016). Was macht einen Coach zum Coach? Weiterbildung und Qualifizierung. In C. Triebel, J. Heller, B. Hauser & A. Koch (Hrsg.), Qualität im Coaching: Denkanstöße und neue Ansätze: Wie Coaching mehr Wirkung und Klientenzufriedenheit bringt (S. 11–19). Berlin: Springer.
  • Qualitätsring Coaching und Beratung e. V. (2012). Richtlinien zur Zertifizierung von Fort- und Weiterbildungen im QRC. Version vom Juni 2012.
  • Rauen, C. (2006). Was kommt nach dem Hype? Marktanalyse Coach-Ausbildungen. managerSeminare, 104(11), 59–63.
  • Rauen, C. & Steinhübel, A. (2005a). Anforderungen an die Struktur und Didaktik einer Coaching-Ausbildung. Verfügbar unter www.rauen.de/coaching-ausbildung/wissen/struktur-und-didaktik-einer-coaching-ausbildung.html
  • Rauen, C. & Steinhübel, A. (2005b). Anleitung zur Auswahl der passenden Coaching-Ausbildung. Verfügbar unter www.rauen.de/coaching-ausbildung/wissen/auswahl-der-passenden-coaching-ausbildung.html
  • Rauen, C. & Steinhübel, A. (2005c). Coaching-Weiterbildungen. In C. Rauen (Hrsg.), Handbuch Coaching (S. 289–310). Göttingen: Hogrefe.
  • Roundtable der Coachingverbände (2015). Profession: Coach. Ein Commitment des Roundtable der Coachingverbände. Verfügbar unter www.roundtable-coaching.eu/wp-content/uploads/2015/03/RTC-Profession-Coach-2015-03-19-Positionspapier.pdf
  • Roth, W. L., Brüning, M. & Edler, J. (1995). Coaching – Reflexionen und empirische Daten zu einem neuen Personalentwicklungsinstrument. In F.-W. Wilker (Hrsg.), Supervision und Coaching: Aus der Praxis für die Praxis (S. 201–224). Bonn: DPV.
  • Schmidt, T. (2003). Coaching. Eine Empirische Studie zu Erfolgsfaktoren bei Einzel-Coaching. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Technische Universität Berlin. Verfügbar unter www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/tanja_schmidt_diplomarbeit_coachingerfolgsfaktoren.pdf
  • Schreyögg, A. (2012). Coaching. Eine Einführung für Praxis und Ausbildung (7. erw. Aufl.). Frankfurt/M.: Campus.
  • Stiftung Warentest (2013a). Coaching-Lehrgänge: Coachen will gelernt sein. test.de, 26.09.2013. Verfügbar unter www.test.de/Coaching-Lehrgaenge-Coachen-will-gelernt-sein-4604619-4604679/
  • Stiftung Warentest (2013b). Coaching im beruflichen Kontext. Was eine gute Einstiegsqualifizierung bieten sollte. test.de, 27.09.2013.
  • Swiss Society for Coaching Psychology (SSCP) (2014). Curriculum der postgradualen Coaching-Weiterbildung. Version vom 25.02.2014.
  • Systemische Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e. V. (2015). Rahmenrichtlinien für die Zertifizierung der Weiterbildung „Systemisches Coaching“. Version vom 30.07.2015.
  • Verband Ganzheitliches Führungs- und Persönlichkeits-Coaching e. V. (2015). Zertifizierung von Coach-Ausbildungen.
  • Viquerat, H. & Lohl, W. (2003). Ausbildung, Weiterbildung und Fortbildung. Differenzierung der Begriffe und Bezeichnungen.

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