Coaching-Ausbilder haben die Aufgabe Coaching-Ausbildungen inhaltlich zu konzipieren, durchzuführen und zu evaluieren. Ihnen obliegen alle Aufgaben, die in Interaktion mit den Teilnehmern stattfinden, um diese im Rahmen der Zielsetzung einer Coaching-Ausbildung bei ihrer individuellen Entwicklung zum Coach zu begleiten und zu fördern. Dies erfordert nicht nur eine umfangreiche Ausbildung samt entsprechendem Wissen und Berufserfahrung, sondern auch umfangreiche personale, soziale, methodische und fachliche Kompetenzen:
„Idealerweise verfügen die Dozenten von Coaching-Ausbildungen über eigene umfangreiche Erfahrungen als Coach. Somit gelten für sie die […] Anforderungen an einen Coach. Doch auch ein guter Coach muss nicht zwangsläufig ein guter Dozent sein, hier sind weitere Qualitäten gefordert“ (Rauen & Steinhübel, 2005, S. 304).
In Bezug auf die wissenschaftliche Fundierung sollte hier erwartet werden können, dass die Dozenten relevante Forschungsergebnisse und entsprechende Literaturquellen in die Coaching-Ausbildung integrieren, um deren inhaltliche Fundierung sicherzustellen und aktuell zu halten (Lippmann, 2015, S. 57; 2016, S. 16). Dies erfordert i. d. R. eine entsprechende akademische Ausbildung. Zudem sollten die Dozenten über didaktische Erfahrung verfügen, im Umfang mit Gruppen bzw. Gruppendynamik versiert sein und über Beziehungsgestaltungskompetenzen verfügen, die noch über die eines Coachs hinausreichen (Rauen & Steinhübel, 2005, S. 304).
Formal gesehen existieren keine Zugangsvoraussetzungen, um am Markt als Coaching-Ausbilder aktiv zu sein – wie dies auch für Coaches selbst gilt. Die Zertifizierungsmodelle mancher Coaching-Verbände erwarten zwar die Erfüllung formaler Voraussetzungen, oft sind diese jedoch bereits erreicht, indem ein Mitgliedschaftsstatus verliehen wurde; teilweise werden ein Hochschulabschluss, Berufserfahrung als Coach und entsprechende Weiterbildungen mit einem definierten zeitlichen Mindestumfang als Voraussetzungen erwartet.
Der Deutscher Bundesverband Coaching e. V. betont in seinen Kriterien den Aspekt der „persönlichen Integrität“, die durch Selbstreflexionsfähigkeit, Dialogfähigkeit, Glaubwürdigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Seriosität charakterisiert und durch den Hinweis „orientiert sich im Geschäftsgebaren am »ehrbaren Kaufmann«“ ergänzt wird (Deutscher Bundesverband Coaching e. V., 2014). Ein verbandsübergreifender bzw. einheitlicher Standard bzgl. der Qualifikation von Coaching-Ausbildern existiert allerdings auch hier nicht.
Auch die Stiftung Warentest begnügt sich in dem Zusammenhang mit dem eher lakonischen Hinweis „Wichtig ist, dass die Dozenten miteinander kooperieren und konzeptionell ähnlich arbeiten“ (Stiftung Warentest, 2013; S. 10).
Insgesamt betrachtet finden sich vergleichsweise wenig Hinweise bzgl. der Qualifikation der Coaching-Ausbilder, die zudem wesentlich mit der von Coaches übereinstimmen und oftmals nicht über die Aufzählung von Schlagworten hinausgehen. Übergeordnete Standards fehlen, spezifisch messbare Qualifikationskriterien sind – wenn überhaupt – rudimentär formuliert und eine Änderung dieses Zustands ist aktuell nicht abzusehen.
Im Rahmen seiner Dissertation über Qualitätsstandards von Coaching-Ausbildungen hat Dr. Christopher Rauen den deutschsprachigen Coaching-Ausbildungsmarkt eingehend untersucht. Die Ergebnisse seiner Analyse werden Ihnen hier auszugsweise präsentiert.