Marktdaten

Coaching-Ausbildungen / Coaching-Weiterbildungen

Der deutschsprachige Coaching-Weiterbildungsmarkt ist zersplittert und unübersichtlich. Hunderte Klein- und Einzelanbieter generieren vergleichsweise bescheidene Umsätze. Hier werden Marktdaten und die Entwicklung der deutschsprachigen Coaching-Weiterbildungsbranche beschrieben.

Coaching-Weiterbildungsmarkt

Mit der deutschsprachigen Coaching-Weiterbildungsbranche ist in den letzten drei Jahrzehnten ein spezialisierter Weiterbildungsmarkt entstanden, der „schwer überschaubar“ ist (Möller et al. 2011, S. 25). Seit ca. Mitte der 1990er Jahre werden Coaching-Weiterbildungen im deutschsprachigen Raum in nennenswerter Anzahl angeboten, wenngleich einzelne Angebote bereits Ende der 80er Jahre existierten. Coaching-Weiterbildungen etablierten sich damit im deutschsprachigen Bereich mit einem Abstand von ca. fünf bis zehn Jahren zu dem Coaching-Angebot.

Eine ausgeprägte Wachstumsphase prägte die Coaching-Weiterbildungsbranche zwischen den Jahren 2000 und 2010. Der stärkste Zuwachs konnte in den Jahren 2002 bis 2005 verzeichnet werden (s. Abbildung), in diesem Zeitraum wurden ca. 160 neue Coaching-Weiterbildungen angeboten (Rauen, 2006). Damit korrespondiert auch die Entwicklung der jährlichen Branchenumsätze. Diese konnten sich auch nach 2010 steigern, die Zuwachsraten sind allerdings rückläufig. Die in absoluten Zahlen größte Umsatzsteigerung fand mit 3,79 Mio. Euro bereits im Jahr 2003 statt, seitdem sind die Steigerungen gegenüber dem Vorjahr nahezu kontinuierlich gesunken.*

Tabelle: Anzahl der Coaching-Weiterbildungsanbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Abb. 1: Anzahl der Coaching-Weiterbildungsanbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Anbieter

Ende 2016 existierten insgesamt ca. 420 Anbieter von Coaching-Weiterbildungen im deutschsprachigen Raum. Neue Coaching-Weiterbildungsangebote stammen dabei nicht nur aus der privaten Wirtschaft, sondern werden zunehmend auch von Universitäten und Hochschulen angeboten, die den Trend in der privatwirtschaftlichen Weiterbildungsbranche aufgegriffen und entsprechende Angebote wie akkreditierte Masterstudiengänge und Zertifikatsstudiengänge entwickelt haben (Berninger-Schäfer & Webers, 2010; Strikker & Strikker, 2013; Ebermann, 2016a; 2016b; 2016c).

Der Coaching-Weiterbildungsmarkt befindet sich (unter Berücksichtigung der in Abbildung 1 und Tabelle 5 dargestellten Daten) am Ende der Reifungsphase. Sofern nicht neue Impulse die Nachfrageseite bzw. das entsprechende Angebot beleben, kann daher davon ausgegangen werden, dass der Markt zeitnah in die Sättigungsphase übergeht.

Marktvolumen

Betrachtet man den Branchenumsatz in absoluten Zahlen, wird ersichtlich, dass der Coaching-Weiterbildungsmarkt verhältnismäßig klein ist. Die gesamte deutschsprachige Coaching-Weiterbildungsbranche verzeichnete im Jahr 2015 einen Umsatz von knapp 40 Mio. Euro (siehe Tabelle 5). Zum Vergleich: Der Umsatz der gesamten betrieblichen Weiterbildung lag im Jahr 2013 nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, bei 33,5 Mrd. Euro (Seyda & Werner, 2014) – also über 840mal höher.

Dies verdeutlicht, dass Coaching-Weiterbildungen trotz eines in Jahrzehnten gewachsenen Marktes nach wie vor ein eher exklusives Spezialangebot innerhalb des gesamten Weiterbildungsmarktes sind und ihr Marktvolumen im Vergleich zu diesem im (unteren) Promillebereich liegt.

Tabelle 5: Umsatzentwicklung der Coaching-Weiterbildungsbranche
Quelle: Coaching-Index, www.coaching-index.de

Umsatzvolumen

Ein weiteres Charakteristikum des Coaching-Weiterbildungsmarktes ist die Unternehmensgröße und das Umsatzvolumen der einzelnen Anbieter. Der durchschnittliche Umsatz liegt unterhalb von 100.000 Euro pro Anbieter. Ein Großteil der Coaching-Weiterbildungsbranche besteht aus kleinen, d.h. umsatzschwachen Anbietern. Über 100 Anbieter sind dem Markt seit weniger als zehn Jahren angehörig.

Die für andere Branche typische Marktstruktur von wenigen umsatzstarken Anbietern, die einen Großteil des Marktvolumens ausmachen und Marktanteile dominieren, ist im Coaching-Weiterbildungsmarkt nicht gegeben. Hunderte Klein- und Einzelanbieter generieren vergleichsweise bescheidene Umsätze, der Markt ist zersplittert. In der aus den vielen Anbietern resultierenden Unübersichtlichkeit des Marktes ist daher auch eine Ursache zu sehen, warum sich noch keine einheitlichen Qualitätsstandards herausbilden konnten.


* Quelle für die Marktdaten ist der Coaching-Index. Die Zahlen wurden erhoben, in dem u.a. das Gründungsjahr der jeweiligen Coaching-Weiterbildungen bei den Weiterbildungsanbietern abgefragt wurde, so dass retrospektiv die Marktentwicklung ermittelt werden konnte.

 

Literatur
  • Berninger-Schäfer, E. (2010). Qualitätssicherung im Coaching. Kongressbeitrag zum 8. Kongress für Wirtschaftspsychologie: „Psychologie in der Wirtschaft: Chancen und Herausforderungen“.
  • Ebermann, D. (2016a). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 1: Übersicht akkreditierter Masterstudiengänge. Coaching-Magazin, 2, 9–11.
  • Ebermann, D. (2016b). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 2: Zertifikatsstudiengänge. Coaching-Magazin, 3, 9–11.
  • Ebermann, D. (2016c). Studiengänge im Coaching-Bereich. Teil 3: Angebote in Österreich und der Schweiz. Coaching-Magazin, 4, 9–11.
  • Möller, H., & Drexler, A. (2011). Bildungscontrolling in der Coachingausbildung. In M. Stephan & P. Gross (Hrsg.), Organisation und Marketing von Coaching: Aktueller Stand in Forschung und Praxis (S. 116–136). Wiesbaden: VS. https://doi.org/10.1007/978-3-531-92821-0
  • Rauen, C. (2006). Was kommt nach dem Hype? Marktanalyse Coach-Ausbildungen. managerSeminare, 104(11), 59–63.
  • Seyda, S. & Werner, D. (2014). IW-Weiterbildungserhebung 2014 – Höheres Engagement und mehr Investitionen in betriebliche Weiterbildung.
  • Strikker, H., & Strikker, F. (2013). Coaching studieren? Akademisierung im Business-Coaching. Coaching-Magazin, 2, 36–41.

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