Inhalte & vermittelte Methoden

Coaching-Ausbildungen / Coaching-Weiterbildungen

Gibt es konkrete Standards zu den Inhalten von Coaching-Weiterbildungen? Im Folgenden wird erläutert, dass je nach Ausrichtung der Weiterbildung ein breites Spektrum an Inhalten und Methoden existiert und die wissenschaftliche Fundierung noch aussteht.

Prozessberatung

Die im Rahmen von Coaching-Weiterbildungen zu vermittelnden Inhalte und Methoden sind je nach Ausrichtung der Weiterbildung unterschiedlich, ein einheitlicher Standard existiert bisher nicht. Zwar wird der Aspekt der Prozessberatung im Coaching betont (Rauen, 2005, S. 112), jedoch werden auch Expertenanteile im Coaching gefordert (Backhausen & Thommen, 2006, S. 329).

„Die Tätigkeit des Coachs ist […] überwiegend eine Prozessberatung (Schein, 2000), entsprechend sollte diese Beratungsform einen Schwerpunkt in Coaching-Weiterbildungen darstellen. Bei Prozessberatungen gibt es keine direkten oder vorgefertigten Lösungsvorschläge. Ein Prozessberater forciert die systematische Bearbeitung von Problemen, wobei der Klient die Lösungen entwickelt, nicht der Coach. Coaching zielt daher nicht auf die Bearbeitung von Problemsymptomen, sondern auf das Erkennen und Lösen der zum Problem führenden Prozesse.“ (Rauen & Steinhübel, 2005, S. 293).

Qualitätsstandards der Coaching-Verbände

Verbände fordern von den von ihnen anerkannten Coaching-Weiterbildungen zwar die Einhaltung von Standards, überwiegend sind diese jedoch formaler Art oder Rahmenstandards. Im Frühjahr 2005 hat der Deutsche Bundesverband Coaching e. V. (DBVC) die ersten Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe „Qualitätsstandards für Coaching-Weiterbildungen“ veröffentlicht (DBVC, 2010). Die seinerzeit vorgenommenen Aussagen zu Coaching-Weiterbildungen benannten sowohl allgemeine als auch inhaltliche Voraussetzungen, die der DBVC von Coaching-Weiterbildungen erwartet.

Inzwischen hat die DBVC Qualitätskonferenz Coaching-Weiterbildungen eine erweiterte Fassung veröffentlicht (DBVC, 2014), in der allgemeine und inhaltliche Anforderung an eine Coaching-Weiterbildung weiter spezifiziert wurden, die als Qualitätsanforderungen an Coaching-Weiterbildungen zu verstehen sind. Auf die Nennung konkreter Inhalte bzw. spezifisch zu vermittelnde Methoden wurde und wird dabei jedoch weitgehend verzichtet, der Fokus liegt primär auf der abstrakten Beschreibung mit Sätzen wie „Die Weiterbildung ist pluralistisch bezüglich Theorien, Inhalten, Methoden und Modellen, eingebettet in eine schlüssige Konzeption“ oder „Die Weiterbildung vermittelt ein schlüssiges Modell zum Verständnis der Selbststeuerung von Menschen im Beruf, dem Zugang zu ihrer Innenwelt und einem im Coaching angemessenen Umgang mit beidem“ (DBVC, 2014).

Die Standards des DBVC stellen damit ein Rahmenkonzept dar, dessen jeweilige inhaltliche Ausgestaltung nicht fest vorgegeben ist und an spezifische Bedürfnisse und Ziele angepasst werden kann.

Commitment zur Profession Coaching

Der Roundtable der Coachingverbände (RTC) bleibt in einem von den Vorständen von zehn Verbänden unterzeichneten „Commitment zur Profession Coaching“ ähnlich abstrakt: „Die für die Ausübung des Coachings erforderlichen Kompetenzen sind in einem eigenen Kompetenzrahmen detailliert zu beschreiben “ (RTC, 2015, S. 5). Wie dieser Kompetenzrahmen genau ausgestaltet wird, ist bisher offen, dies soll aber geändert und durch einen einheitlichen Standard ersetzt werden:

„Der Roundtable der Coachingverbände wird einheitliche Standards für die Qualifizierung vorlegen. Diese Standards nennen Kriterien zur Qualitätsprüfung und beschreiben unverzichtbare inhaltliche und formale Mindestanforderungen in den Abschnitten Qualifizierungskonzept, Curriculum, Anbieter, Lehrpersonal und Teilnehmende“ (RTC, 2015, S. 5).

Einen konkreten Zeitrahmen für die Umsetzung dieses Vorhabens hat der RTC nicht veröffentlicht. Somit bleibt hier die weitere Entwicklung abzuwarten, ob eine Einigung zwischen den unterschiedlich positionierten Verbänden erreicht werden kann.

Kriterienkatalog von Stiftung Warentest

Konkrete Inhalte und zu vermittelnde Methoden einer Coaching-Weiterbildung finden sich beispielsweise bei Vogelauer (2006, S. 236 f.), Meier & Janßen (2011), Schreyögg (2012, S. 377–389), Schmolmüller (2012, 88–93) und der Stiftung Warentest. Diese hat parallel zu dem Test von Coaching-Weiterbildungen (Stiftung Warentest, 2013a) einen umfangreichen Kriterienkatalog u. a. für die Inhalte einer Coaching-Weiterbildung veröffentlicht (Stiftung Warentest, 2013b). Dieser Kriterienkatalog soll eine „Einstiegsqualifizierung“ ermöglichen und umfasst Inhalte aus „Psychologie (insbesondere Persönlichkeitspsychologie, Kommunikationspsychologie, Organisationspsychologie und Verhaltenspsychologie), Pädagogik, Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft (insbesondere Organisations- und Managementlehre), Sportwissenschaften sowie Philosophie und Ethik“ (Stiftung Warentest (2013b, S. 3). Entwickelt wurde der Kriterienkatalog in einem mehrstufigen Verfahren: Zunächst wurden Coaching-Weiterbildungsanbieter schriftlich befragt und die Standards ausgewählter Coaching-Verbände recherchiert, daraus wurde ein erster Kriterienkatalog erstellt und mit Experten diskutiert, deren Hinweise anschließend in die vorliegende Fassung einflossen (Stiftung Warentest (2013b, S. 2). 

Obwohl die Stiftung Warentest die Inhalte auch mit Experten aus der Wissenschaft diskutiert hat, bleibt die Frage nach der Wissenschaftlichkeit einzelner Ansätze bzw. der empfohlenen Inhalte offen. Dies gilt auch grundsätzlich für sehr viele Coaching-Weiterbildungen, wie Greif (2014a; 2014b) und Hellebrandt (2015) festgestellt haben. 

„Eine gute Coaching-Ausbildung steht und fällt mit einem sinnvollen Gesamtkonzept, das sich der kritischen Diskussion und Überprüfung durch Wissenschaft und Praxis stellt. Zentral sind dabei eine klare Wissensstruktur, die Herausbildung einer beraterischen Identität, die Schaffung einer sinnvollen Lernarchitektur, die Verortung im Hinblick auf andere Beratungsformate, die Reflexion von Zugangsvoraussetzungen und Motiven sowie die Erfahrung und Kompetenz der Ausbilder“ (Möller, Kotte & Liebelt, 2011, S. 30).

Insbesondere aber nicht ausschließlich bei der Vermittlung von Methoden und den dahinterliegenden Theorien stellt sich die Frage nach der wissenschaftlichen Fundierung der einzelnen Ansätze. Die Stiftung Warentest bleibt hier unspezifisch und benennt nur Oberbegriffe zu zwölf „Methoden und Techniken der Intervention im Coaching“. Konkrete Empfehlungen für fundierte Ansätze werden dabei nicht gegeben.

Praxis und Wissenschaft

Generell scheint der inhaltliche Schwerpunkt von Coaching-Weiterbildungen überwiegend auf der Praxis bzw. praktischen Anteilen zu beruhen (Hellebrandt, 2015, S. 55). Entsprechend deutlich fällt auch das Ergebnis der Untersuchung von Hellebrandt zur wissenschaftlichen Fundierung von Coaching-Weiterbildungen aus, in dem den untersuchten Coaching-Weiterbildungen eine wissenschaftliche Grundlage abgesprochen wird (Hellebrandt, 2015, S. 57). Dies bestätigt auch die von Greif (2014b) attestierte „schwierige Beziehung“ zwischen Coaching und Wissenschaft und er empfiehlt als Zukunftsaufgabe „vorhandenes wissenschaftliches Fachwissen“ in die Coaching-Konzept zu integrieren (ebenda, S. 309).

Einigkeit lässt sich am ehesten auf einer grundsätzlichen Ebene beobachten, welche die Ausrichtung bzw. die Art der theoretischen Bezüge beschreibt:

„Grundsätzlich sollte eine Coaching-Weiterbildung unterschiedliche Theoriebezüge und »Denkschulen« berücksichtigen, damit Flexibilität und die Fähigkeit zum Perspektivenwechseln nicht nur hypothetisch vermittelt werden. Sofern eine Weiterbildung also nicht absichtlich auf eine bestimmte Ausrichtung oder Methodik fixiert ist – dies kann z.B. für ergänzende Weiterbildungsmaßnahmen durchaus sinnvoll sein – sollte sie methodenübergreifend orientiert sein, d.h. es sollten verschiedene Beratungsansätze vermittelt werden.

Eine Voraussetzung für die Auswahl von Ansätzen und Methoden ist in jedem Fall deren Fundierung und Transparenz. D.h. die vermittelten Vorgehensweisen sollten verständlich und für die Teilnehmer nachvollziehbar sein; dies ergibt sich aus dem Anspruch des Coachings, die Wahrnehmung und Reflexion zu verbessern. Einen methodischen Schwerpunkt nimmt daher in jedem Falle das Feedback ein, da es sowohl im Coaching als auch für die Reflexion und Erfahrungsverarbeitung in der Coaching-Weiterbildung von zentraler Bedeutung ist“ (Rauen & Steinhübel, 2005, S. 305).

Fazit

Konkrete Standards zu den Inhalten von Coaching-Weiterbildungen existieren nicht. Vorgaben der Verbände sind überwiegend abstrakt bzw. unspezifisch, ein Zeitplan, dies verbandsübergreifend zu ändern, liegt nicht vor. Die Empfehlungen der Stiftung Warentest und der weiteren Literatur sind nachvollziehbar, aber nicht verpflichtend und die wissenschaftliche Fundierung der vermittelten methodischen Ansätze scheint nach ersten Analysen mangelhaft. Die Inhalte der Coaching-Weiterbildungen scheinen überwiegend praktisch ausgerichtet zu sein und sind an den individuellen Erfahrungen des jeweiligen Anbieters orientiert.

Literatur
  • Backhausen, W. & Thommen, J.-P. (2006). Coaching. Durch systemisches Denken zu innovativer Personalentwicklung (3. Aufl.). Wiesbaden: Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-8349-9342-7
  • Deutscher Bundesverband Coaching e. V. (DBVC) (2010). Qualitätsstandards des DBVC für Coaching-Weiterbildungen. (Version vom 02.07.2010).
  • Deutscher Bundesverband Coaching e. V. (DBVC) (2014). Qualitätsstandards des DBVC für Coaching-Weiterbildungen. (Version vom 02.06.2014).
  • Greif, S. (2014a). Coaching in Grenzfeldern zwischen Praxis und Wissenschaft: Vergleich von 50 Coaching-Ausbildern. Keynote-Vortrag auf dem Coaching-Kongress der Hochschule für angewandtes Management (Erding) vom 20.–21.02.2014.
  • Greif, S. (2014b). Coaching und Wissenschaft – Geschichte einer schwierigen Beziehung. OSC Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 21(3), 295–311. https://doi.org/10.1007/s11613-014-0379-8
  • Hellebrand, M. (2015). Wie wissenschaftlich fundiert sind Coaching-Weiterbildungen? – Eine Dokumentenanalyse der Curricula. Unveröffentlichte Masterarbeit, Institut für Psychologie, Universität Kassel.
  • Meier, R. & Janßen, A. (2011). Coachausbildung – ein strategisches Curriculum (2. Aufl.). Sternenfels: Verlag Wissenschaft & Praxis.
  • Möller, H., Kotte, S. & Liebelt, A. (2011). „Denn sie wissen (oft) nicht, was sie tun.“ Sechs Thesen zu einer guten Coachingausbildung. Wirtschaftspsychologie aktuell, 3, 25–30.
  • Rauen, C. (Hrsg.) (2005). Handbuch Coaching. (3., erw. u. aktual. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
  • Rauen, C. & Steinhübel, A. (2005). Coaching-Weiterbildungen. In C. Rauen (Hrsg.), Handbuch Coaching (S. 289–310). Göttingen: Hogrefe.
  • Roundtable der Coachingverbände (2015). Profession: Coach. Ein Commitment des Roundtable der Coachingverbände. Verfügbar unter http://www.roundtable-coaching.eu/wp-content/uploads/2015/03/RTC-Profession-Coach-2015-03-19-Positionspapier.pdf
  • Schreyögg, A. (2012). Coaching. Eine Einführung für Praxis und Ausbildung (7. erw. Aufl.). Frankfurt/M.: Campus.
  • Schmolmüller, C. (2012). Berufsbild Coach: Hilfestellungen und Tipps zur Ausbildung und Curriculumgestaltung. Hamburg: Diplomica.
  • Stiftung Warentest (2013a). Coaching-Lehrgänge: Coachen will gelernt sein. test.de, 26.09.2013. Verfügbar unter https://www.test.de/Coaching-Lehrgaenge-Coachen-will-gelernt-sein-4604619-4604679/
  • Stiftung Warentest (2013b). Coaching im beruflichen Kontext. Was eine gute Einstiegsqualifizierung bieten sollte. test.de, 27.09.2013.
  • Vogelauer, W. (2006). Coach the Coach: Weiter- und Fortbildung von Profis. In E. Lippmann (Hrsg.), Angewandte Psychologie für die Beratungspraxis (S. 233–242). Berlin: Springer. https://doi.org/10.1007/3-540-28451-6

nach oben

Die Coaching-Ausbildungsdatenbank gibt Ihnen eine Übersicht von Coaching-Ausbildungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. 

Der Coaching-Report ist die Wissensbasis zum Thema Coaching als Instrument der Personalentwicklung und informiert Sie mit Zahlen und Fakten zum Thema Coaching.

Coaching-Magazin

Das Coaching-Magazin bietet Ihnen Brancheninfos, Hintergründe, Konzepte, Portraits, Praxistipps, handfeste Tools und einen Schuss Humor.


Aktuelles Coaching‬-‪‎Magazin 2 | 2019: Interview mit Wolfgang Schmidt | Coaching im Mittelstand | Coaching-Abbrüche | Team-Coaching | Coaching via Skype | Achtsame Führung | Coaching-Verbände | Agiles Coaching | Tool zur Tatsachenresilienz uvm.

» Jetzt abonnieren