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Martina Angela Friedl

Systemisches Coaching.

Rezension von Jan-Christoph Horn

2 Min.

Martina Angela Friedl legt mit ihrem Buch „Systemisches Coaching“ auf der Grundlage ihrer langjährigen Tätigkeit als Coach-Ausbilderin eine Einführung in systemisches Coaching vor, von denen es ihrer Meinung nach wenige auf dem Markt gibt. Die Aussage überrascht mit Blick in das Bücherregal des Rezensenten. Das dem Vernehmen nach eigene Konzept (S. 9) weist viele Referenzen zu Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer auf.

Die Sprache des Buches ist gelungen: Zugewandt und positiv anleitend. Weiterführend-vertiefende Literaturhinweise sind motivierend in den Fließtext integriert. Der Begriff „Coaching“ ist als Beratungsformat gesetzt (S. 12f). Die vorgenommene Abgrenzung zur systemischen Psychotherapie (S. 54–58) zieht jedoch bedenklicherweise keine inhaltliche Grenze. Die Charakteristika systemischen Arbeitens sind für eine knappe Einleitung angemessen ausgeführt (S. 13–15). Die Darstellung der geschichtlich-konzeptionellen Entwicklung von ersten modernen Beratungsverfahren in der Psychoanalyse bis zum systemischen Coaching ist komprimiert, aber nicht fahrlässig kurz (S. 15–20). 

Die Autorin stellt sodann Eckpfeiler systemischen Denkens facettenreich vor (S. 21–37). Doch auch wenn sie – mit einem Bonmot von Fritz B. Simon (S. 11) – auf die Wichtigkeit einer guten Theorie für die Praxis verweist und die Herausforderung systemischen Denkens durch die Andersartigkeit im Vergleich zu westlich-kausalen Denktraditionen benennt (S. 22): Nach der guten Führung der Lesenden bis hierher wäre mehr Hilfestellung zur Praxisbedeutung erwartbar und auch nötig gewesen. So wirkt das (lediglich) Komplexe leider (zu) kompliziert. Auch der Anschluss an die Haltungs-Thematik (S. 38–42) ist eher schwach. 

Es folgen handwerkliche Teile zur Coaching-Praxis. Die Vorstellung von Coaching-Formaten nimmt zeitgemäß auch Online-Varianten auf. Ungewöhnlich, aber interessant sind die Formate unter Einbeziehung Dritter/Gäste (S. 44f) und externer Auftraggeber (S. 47f). Ein prototypisch aufgezeigter Ablauf (S. 50–53) gibt Empfehlungen aus der persönlichen Erfahrung der Autorin. 

Der breite zweite Teil (S. 59–146) ist eine Referenz für Coaching-Handeln: Die Inhalte werden, spürbar aus Erfahrung, aufbereitet und Methoden vorgestellt. Die zahlreich angebotenen Übungen bleiben aber ohne Kontextualisierung und damit akademisch.

Herauszuheben ist die wiederholt angeführte Bedeutung des systemischen Coachings für gesellschaftspolitisch-aufklärerische Emanzipation (S. 14, 30f, 116f). Das gefällt, wird aber unter Beratern und Beraterinnen durchaus kontroverser diskutiert, als die Autorin es benennt.

Fazit: Ein Buch im Stil eines ausführlichen Referats, indem eine erfahrene, engagierte und motivierte Coaching-Expertin Menschen zu Coaching-Kompetenz führen möchte.

Jan-Christoph Horn

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