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Bettina Schubert-Golinski, Matthias Schmidt, Frauke Narjes, Jutta Papenbroock, Haiko Wandhoff, Dietlinde Paetzelt, Annika Jans

Systemisches Coaching. Haltung - Methodik - Rollenklarheit

Rezension von Günther Mohr

3 Min.

Das Buch von Bettina Schubert-Golinski und ihren Mitautorinnen und -autoren Matthias Schmidt, Frauke Narjes, Jutta Papenbroock, Haiko Wandhoff, Dietlinde Paetzelt und Annika Jans führt systematisch in das systemische Coaching ein. In drei Teilen mit insgesamt 14 Kapiteln wird nichts ausgelassen, was bei diesem Titel erforderlich ist. Der erste Teil „Was ist Coaching – und was nicht?“ bietet eine grundlegende Einführung in die systemische Idee von Coaching. Der zweite Teil widmet sich dem Ablauf eines Coachings von der Problem- und Auftragsklärung über die Hauptwerkzeuge bis zur Gesamtschau über den Coaching-Prozess. Der dritte Teil fokussiert auf einzelne Themen, die Coaching-Anlässe sein können: Konflikte, Führung, Veränderungsprozesse, berufliche Orientierung und Positionierung. 

Nach der Grundierung am Anfang erfolgt eine Argumentation, warum Coaching heute so nachgefragt ist: „Eine Antwort liegt in der unüberschaubar gewordenen Zahl der Wahlmöglichkeiten, vor denen wir in den globalisierten spätkapitalistischen Gesellschaften heute stehen. Die Multioptionsgesellschaft ist gewissermaßen die Schwester der Beratungsgesellschaft.“ (S. 39) In der Formulierung zeigt sich meines Erachtens eine kritische Distanz zu eingesetzten Wirtschaftsformen für die unabhängige Tätigkeit, die Coaches gut zu Gesicht steht. 

Nicht fehlen dürfen bei diesem Themenfeld die systemischen Fragen, die gerade durch ihre öffnende und auf Neues gerichtete Denkweise eine wertvolle Ergänzung zu den Techniken der humanistischen Psychologie – wie etwa dem aktiven Zuhören – darstellen. Im Buch trifft der erfahrene Coach somit auf viel grundlegend Bekanntes. Relevante Fragestellungen werden angemessen dargestellt und in einer Weise eingeführt, dass sie auch für Newcomer verständlich sind. Ein Beispiel ist die in einer ansprechenden Visualisierung dargestellte Unterscheidung Beziehungsbrille, Problembrille und Lösungsbrille (S. 76). Überhaupt ist der strukturelle Aufbau positiv hervorzuheben: Lernkästen mit Zusammenfassungen, Selbstreflexionsfragen sowie Visualisierungen unterbrechen den Lesefluss; kurze Fallbeispiele illustrieren die theoretischen Erläuterungen. 

Als Transaktionsanalytiker fällt mir besonders die Integration des Ichzustandsmodells im Kapitel zum Coaching von konflikthaften Situationen auf. Es zeigt exemplarisch, wie die Autorenschaft in diesem Buch Tools aus verschiedenen Schulen integriert, um Menschen zu unterstützen, wieder „auf Augenhöhe zu kommen“ (S. 214). 

Insgesamt wird also ein umfassender Überblick über systemisches Coaching gegeben. Das Buch hat stellenweise Kompendiumcharakter, da auch kritisch diskutierte Felder wie die Rolle von internen Coaches in Unternehmen oder das Online-Coaching kompetent untersucht werden. 

Nicht sichtbar ist, wer von den Autoren oder Autorinnen sich jeweils für die einzelnen Themen verantwortlich zeichnet. Das ist etwas schade, weil die durchaus unterschiedlichen Stilelemente so nicht zuordenbar sind.

Fazit: Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Band, insbesondere für angehende Coaches, etwa als Begleitung einer Coaching-Weiterbildung. 

Günther Mohr

Hofheim
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