Manchmal suche ich im Internet nach einem möglichst einfachen Kochrezept. Und es ist irgendwie aufregend, es dann für Gäste zuzubereiten. Natürlich ohne vorherige Probe – das wäre langweilig. Aber gibt es auch ein Rezept für gute Führung? Markus Ebner legt seine Antwort vor in „Positive Leadership. Mit PERMA erfolgreich führen. Wie Sie wissenschaftlich fundiert das volle Potenzial Ihres Teams entfalten.“ Schauen wir uns seine Rezeptur genauer an.
Der ausgebildete Sozialpädagoge Ebner hat in Wirtschafts- und Organisationspsychologie promoviert und Studiengänge in Supervision und Organisationsentwicklung absolviert. Er unterrichtet als Wirtschafts- und Organisationspsychologe in Wien und Klagenfurt. Seinen Schwerpunkt setzt er im Bereich „Positive Leadership“. Ebner ist als Autor von Fachbüchern und Publikationen sowie als Keynote-Speaker öffentlich wahrnehmbar. Er verbindet als Coach und Organisationsentwickler die wissenschaftliche Fundierung mit praktischer Umsetzung.
Ebners Buch ist klar strukturiert. An drei Vorworte schließt ein Plädoyer für die Wissenschaft an. Der inhaltliche Teil beginnt unter der Überschrift „Fundierte Hintergründe, relevante Forschungsergebnisse, praktische Tipps“ ab Seite 50. In je einem Kapitel zur Führung im Wandel, zu den Wurzeln des Positive Leadership und mit 100 Seiten zum PERMA-Lead wird das Konzept entwickelt. Schließlich wird in den Kapiteln fünf bis neun je ein Aspekt des Akronyms auf 30 bis 50 Seiten vertieft: Positive Emotionen, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment. Der Appendix als zehntes Kapitel ergänzt Kennwerte und rundet mit einem Dank, dem Literaturverzeichnis auf 24 Seiten und einem Stichwortverzeichnis auf vier Seiten ab. Jedes Kapitel beginnt neben der Überschrift mit comichaften Visualisierungen sowie Übersicht gebenden Blitzlichtern. Zwischendurch und zum Schluss des Buches bleibt Platz für persönliche Notizen. Die Sprache ist unterhaltsam und zugänglich, nicht fachwissenschaftlich. Darüber hinaus veranschaulichen Schautafeln und Tabellen das Gesagte.
Martin Seligman hat mit der Positiven Psychologie den Fokus verschoben von einem defizitorientierten hin zu einem stärkenorientierten, optimistischen Betrachtungswinkel. Mit PERMA hat er dafür fünf Faktoren herausgearbeitet: positive Gefühle, Engagement, soziale Beziehungen, Sinn und Erfüllung sowie Zielerreichung. Ebner spricht Führungskräfte an. Er entwickelt PERMA weiter in ein verhaltensorientiertes Führungskonzept. Dieses nennt er PERMA-Lead. Hierdurch soll durch eine wertschätzende Arbeitskultur sowohl das individuelle Wohlbefinden als auch der Erfolg der Organisation entwickelt werden. Dafür bilden die fünf Werte den Orientierungsrahmen für gute, positive Führung. Als Beispiel für eine Vertiefung stellt der Autor im Kapitel sechs „E wie Engagement“ das Gallup-Modell der 34 Talente oder die VIA-Stärken mit sechs Tugenden sowie den Flow-Effekt vor. Gegen Ende jedes der fünf Kapitel gibt es einen Katalog mit Tipps für die Praxis. Zuletzt hilft eine Ausleuchtung der ungünstigen Seite oder von Auswirkungen einer Übertreibung bei der inneren Sortierung des Lesers.
Ebner entwirft bei einer gesamt- und außenpolitischen Sichtweise einen spannungsvollen Kontrast: ein wissenschaftlicher Ansatz mit objektiven Kriterien von guter Führung auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Stil von Führung gemäß der Persönlichkeitsstruktur der Führungskraft, die sich mit „Ich bin halt so ...“ behauptet und schlimmstenfalls gar ihren Neigungen der dunklen Triade (Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie) freien Lauf lässt. Die Rahmung guter Führung kann zur Übernahme von Verantwortung, einem Händchen für Wohlbefinden und Stärken der Mitarbeitenden führen und basiert auf Empathie und Glaubwürdigkeit. Coaches von Führungskräften finden hier ein Meta-Konzept mit zahlreichen wissenschaftlich begründeten Argumenten, aber auch ganz praktischen Tipps. Inhalt eines Coachings kann die Vertiefung von Wissen in Haltung sein. Ebner gelingt es, beide Welten, Wissenschaft und Führungspraxis, für die titelgebende „Positive Leadership“ zu mobilisieren. Dabei ist sein Werk übersichtlich strukturiert und grafisch aufgelockert. Trotz der Fülle an Fakten ist es leicht und flüssig lesbar. Online abrufbare Checklisten und Leitfäden hätten der Führungskraft oder dem Coach noch mehr unter die Arme gegriffen. Viele Methoden und Konzepte sind bekannt, neu sortiert und wirken etwas eklektisch aneinandergereiht.
Fazit: Ebners wissenschaftlicher Ansatz und sein Verständnis guter Führung setzen den disruptiven, irrationalen Tendenzen in Gesellschaft und Führung etwas entgegen. Er stellt Kriterien dafür vor, wie es der gereiften Persönlichkeit gelingt, sich zu zügeln und zu kultivieren. Hoffentlich wird der Titel in viele Sprachen übersetzt. Ein Rezept für „so geht’s gut“.
Torsten Ferge
Coach und Supervisor
www.ferge-coaching.de