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Martin Hartmann

Krisen bearbeiten – in Krisen coachen: Kreativ und anregend die Kraft starker Zitate nutzen. 60 Karten und Booklet inklusive digitaler Version

Rezension von Torsten Ferge

3 Min.

„Ich bin verwurzelt, aber ich fließe.“ So lautet ein Zitat, das Martin Hartmann für seine 60 Karten umfassende Sammlung „Krisen bearbeiten – in Krisen coachen. Kreativ und anregend die Kraft starker Zitate nutzen“ ausgewählt hat. Bereits auf der ersten Seite des beigefügten Booklets erläutert der Autor seine Idee: Diese Zitate, Sprüche und Aphorismen können verstören und nachdenklich machen, aber auch neue Perspektiven und Lösungswege eröffnen. Ihre Auswahl überrascht mit wohlgewählten Worten, keinesfalls mit bekannten oder abgegriffenen Zitaten. Sie sollen den Weg ebnen in die Gefühlswelt bei einer Krise.

Das erläuternde Booklet umfasst 27 Seiten. Seine Größe bewegt sich zwischen DIN A5 und Postkartenformat. Hier umreißt Hartmann kurz seinen Krisenbegriff und bietet dem Lesenden ein Phasenmodell an. Gedacht sind die Karten für professionell Beratende in Coaching und Therapie, und ausdrücklich auch für das Selbst-Coaching. Die Einsatzmöglichkeit vergleicht der Autor mit üblichen Bildkartenformaten. Dazu schlägt er für die Beratungsarbeit einen Fragenkatalog vor. Hartmann benennt konkret drei Einsatzbeispiele: Zur Themenfindung, als Gesprächseinstieg oder auch zur thematischen Vertiefung. Die Karten selbst fühlen sie stabil und hochwertig an, die Ecken sind abgerundet. Sie sind mit fünf Farben und jeweils einem zur Farbe gehörenden Bild codiert. So ergeben sich die Kategorien (1.) Krise = Gefahr und Chance, (2.) Der Blick nach innen, (3.) Aktiv werden, (4.) Begleitung in der Krise und (5.) Für sich Gutes tun. Gegen Ende des Booklets benennt er Literatur und Quellen. 

Hartmann lässt sich dort auf der letzten Seite in die sprichwörtlichen Karten schauen. Sein Spiel blickt zurück auf Hochschultätigkeit, Medienforschung und -beratung und journalistische Arbeit in London. Als Trainer fokussiert er sich auf Krisenkommunikation und Rhetorik. Schließlich kommt er auf die eigene Krisenkompetenz zu sprechen: Seit 20 Jahren habe er mit mehreren Krebsdiagnosen und -behandlungen zu kämpfen. Der Autor hat die Kartenworte in der Tiefe durchdrungen und selbst als Krisenhilfe erlebt. Lässt sich diese Erfahrung nun auch generalisieren? 

Da ist von außen eine große Lücke zu bestaunen. Die Karten sind intellektuell eher mehr als weniger anspruchsvoll. Daher sind sie nicht für jede Zielgruppe anschlussfähig und geeignet. Und sie richten sich konzeptionell an den präfrontalen Cortex, der für rationales Denken und die Verarbeitung von Neuem zuständig ist. Hartmanns Zitate sind aber für Krisen gedacht. Diese finden in anderen Teilen des Gehirns statt, die z.B. für Alarmierung und starke Emotionen zuständig sind. In akuter Krise verbietet sich jede Rationalisierung. Vielmehr stellt sich die Frage, wie das Beratungssystem an Krisenerleben anknüpfen kann. Diese Lücke können die Karten mit ihrem Zitatewissen nicht schließen. Aus neurowissenschaftlicher Sicht kann Hartmanns Idee und Konzept nicht aufgehen. So sollte der letztliche Einsatz der Karten vom Coach sorgfältig geprüft werden. 

Zugleich wirken die Karten anregend, zuweilen charmant. Ist ein kleiner Selbstversuch willkommen? Dann könnte die Wahl auf eine Situation mit Bauchgrummeln aus jüngster Vergangenheit fallen und mit Hartmann dazu gefragt werden: „Was würde Pippi Langstrumpf jetzt tun?“ 

Fazit: Die hochwertig produzierten Karten bieten sorgfältig ausgewählte, überraschende Zitate. Im Coaching sind viele hilfreiche Einsatzmöglichkeiten denkbar.

Torsten Ferge

Coach und Supervisor
www.ferge-coaching.de 

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