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Martina Nohl

Intuition für Coachs

Rezension von Dr. Christine Kaul

3 Min.

Martina Nohl richtet sich in ihrem Buch „Intuition für Coachs“ an ausgebildete, erfahrene Coaches, denn die Arbeit mit Intuition erfordert einen hohen fachlichen Ausbildungsgrad. Für die Lektüre des Buches selbst sind im Übrigen umfangreiche Kenntnisse coachingrelevanter Theorien und Modelle nützlich.

Die Autorin bietet im ersten Kapitel eine umfassende Darstellung, was Intuition bedeutet. Sie besticht hier mit erheblicher Expertise, was unterschiedliche Coaching- und Therapieansätze sowie wissenschaftliche Konzepte angeht, und durch eine beeindruckende Belesenheit.

Das zweite Kapitel ist der Selbsterfahrung als Coach gewidmet und bildet das Fundament für die Arbeit mit Klienten.

In beiden Kapiteln finden sich zahlreiche nützliche Übungen, aber auch teilweise irritierend skurrile Angebote, etwa wenn zur Kontaktaufnahme mit der Amygdala aufgefordert wird oder zum körperlichen Auspendeln als Vorbereitung von Entscheidungen.

In den folgenden Kapiteln wird Intuition im Rahmen der praktischen Coach-Arbeit verortet und es geht um die Umsetzung der erlernten, erspürten Erfahrungen. Einsatzmöglichkeiten werden erfreulich praxisorientiert beschrieben, einschließlich Überlegungen zum intuitiven Arbeiten im Online-Coaching. Vieles ist bekannt, etwa aus der systemischen Beratung oder der Gestalttherapie, wird aber hier in den engeren Kontext der Intuitionsaktivierung gestellt.

Das spannendste Kapitel ist tatsächlich das vierte. Nohl grenzt sich zunächst von Coaching-Modellen ab, die zwar intuitives Arbeiten integrieren, aber die z.B. therapeutische Ziele verfolgen oder in denen Intuition eher zum eklektischen Repertoire gehört. Als originär intuitiv basierte Verfahren zählt sie Coaching nach dem U-Modell, Coaching mit dem „universellen Prozess“, Generatives und Transformatives Coaching.

Schließlich geht sie grundsätzlich auf die Haltungen und Rollen von Coaches ein, welche allerdings durchgehend kein Alleinstellungsmerkmal intuitiven Coachings sind, etwa Neugier und offene Haltung oder die Rollen als Ermutiger, Prozessbegleiter und Vorbild.

Nohl beendigt ihre Ausführungen mit einer Auswahl ihrer wirkkräftigsten Coaching-Tools. Alle Übungen setzen dabei eine stabile, tragfähige Beziehung zum Klienten voraus, beispielsweise „Invertiertes Mindmapping“ als Hausaufgabe oder Focusing aus der klientenzentrierten Therapie. Jeweils beigefügt sind Tipps für die Umsetzung im Online-Coaching.

Nützlich, weil oft vernachlässigt: ein Stichwortverzeichnis.

Fazit: Der Lesende erfährt, welch umfangreiches Wissen und welche Vielfalt sich hinter dem Begriff der Intuition verbirgt. Anregungen zur Entwicklung der eigenen Intuition als Coach enthält das Buch reichlich. Praxisorientiert wird der Weg hin zu intuitivem Coaching aufgezeigt. Allerdings erfordern einige befremdlich esoterisch-mystische Darstellungen vom Lesenden Akzeptanz dieser Weltsicht oder zumindest Duldsamkeit. In jedem Fall sollte der Coach als Rezipient in theoretischer und praktischer Hinsicht erfahren sein.

Dr. Christine Kaul

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