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Stefan Stenzel

Die Zukunft des Coaching-Business. Neuausrichtung an der Lebens- und Arbeitswelt des Klienten von morgen.

Rezension von Björn Rohde-Liebenau

3 Min.

Das vorliegende Werk ist Ausdruck und Zwischenstand des Engagements von Stefan Stenzel für die Zukunft des Coaching-Business. Treffend stellt er ihm ein Zitat Abraham Lincolns voran: „Die Zukunft lässt sich am ehesten vorhersagen, wenn man sie selbst (mit-)gestaltet.“ Stenzel war 2004 erweitertes Gründungsmitglied des Deutschen Bundesverband Coaching e.V. und setzt sich dort für das Thema Digitalisierung ein. Sein Buch ist ein flammender Appell an alle Coaches, sich für ihre Zunft zu engagieren. Wer dazu bereit ist, der findet hier umfangreiches Material für ein besseres Verständnis, was diese Zukunft ausmachen wird – nicht zuletzt in Fußnoten, Zitaten und gut 30 Seiten Literaturhinweisen.

Stenzel, der bei SAP SE für den externen Teil des dort kulturprägenden Coaching-Angebots zuständig ist, kennt den Markt seit rund 20 Jahren. Mit seinem Finger am Puls der technologischen und geschäftlichen Entwicklungen beklagt er zwei große Versäumnisse der Branche: 

  • Coaching nicht als Berufsbild oder zumindest Bezeichnung geschützt zu haben, und
  • Coaching-Provider-Plattformen einen so breiten Marktzugang ermöglicht zu haben, dass eine Monopolisierung des Zugangs und der Preisfindung droht.

Um dem nicht ein drittes Versäumnis hinzuzufügen, gelte es jetzt, sich auf den Einzug von Coaching-Angeboten einzustellen, die sich künstlicher Intelligenz bedienen. Grundvoraussetzungen, Marktumfeld und Erfolgsfaktoren solcher künftiger KI-Angebote beleuchtet Stenzel und zeigt dabei, wie (menschliche) Coaches Chancen nutzen und eigene, neuartige (u.U. KI-unterstützte) Angebote entwickeln können. Risiken sieht er in der Blindheit oder Gleichgültigkeit der Coaches für Entwicklungen in der Arbeitswelt, aber auch für die „Life Styles“ jüngerer Generationen. Er sieht einerseits die Gefahr zu vieler älterer Coaches, die ohne präzises Konzept nach ihrem Ausscheiden aus einer angestellten Tätigkeit noch „etwas mit Menschen“ machen wollen, während ihre Gleichaltrigen kein Geld und keinen Bedarf für Coaching haben.

Wird Stenzel polemisch, schlägt sich sein Engagement in teils provokanter Ausdrucksweise („VUCA als Gefühl“) nieder. So liefert er anregend pointierte, multi-perspektivische Beschreibungen unseres im tumulthaften Wandel begriffenen Umfelds. Geradezu enzyklopädisch verweist er auf hierzulande diskutierte Erklärungsmodelle, Makro- und Mikro-Interventionen und Tools. Dabei bleibt er betont zurückhaltend in der Beschreibung der (durchgehend als „vermutet bezeichneten“) Konsequenzen für Klienten, Coaches und das Coaching-Angebot selbst. Sein Vordenken ist somit mehr als nur willkommene Anregung. Ethik stellt er als den Imperativ kommender Veränderungen im Coaching vor – u.a. im Hinblick auf ungeklärte Fragen im Einsatz von KI und Gesundheitsdaten. Seine Thesen sind meist so offen formuliert, dass man sich ihnen weder reflexhaft anschließen oder sie ablehnen muss. Unübersehbar erscheint die Überzeugung des Autors, dass jenen Schaden droht, die nicht bereit sind, sich Gedanken über die Zukunft ihrer Branche zu machen, entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen und sich zu engagieren. Einen Einstieg in die Thematik finden Lesende nicht zuletzt auf seinem Blog zum Buch.

Fazit: Hatte das Coaching einmal einen „romantischen“ Schleier, so wird er hier restlos beseitigt. „Sowohl-als-auch“ und Hybridität (Ambidextrie) sind die aktuelle Antwort. Coaches finden in dem Buch mannigfaltige Anregungen zur künftigen Gestaltung ihrer interdisziplinären Praxis.

Björn Rohde-Liebenau

Ombudsmann, Mediator und Coach
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