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Caro Tille (2009)

Kuck mal, wer da coacht! Neun Doppelblindversuche.

    Rezension von Alexandra Strehlau

    Wenn es um Erfolgsfaktoren im Coaching geht, wird die Persönlichkeit des Coachs
    selten thematisiert. Die Selbstpräsentation von Coachs legt vorrangig Wert auf
    die eigenen Weiterbildungen, Tools und Methoden. Klienten, die auf der Suche
    nach einem Coach sind, können sich hauptsächlich an diesen Qualifikationen und
    Spezialgebieten orientieren und im Vorgespräch schauen, ob "die Chemie
    stimmt".
    Caro Tille schlägt in ihrem Buch, das sich an Personen auf der Suche nach einem
    Coach richtet, einen spannenden Weg ein: Sie nimmt die Persönlichkeit des
    Coachs in den Blick und schildert auf unterhaltsame Weise, wie die Persönlichkeit,
    die Werte und Wahrnehmungsfilter des Coachs den Coaching-Prozess beeinflussen.
    Coaching wird von der Autorin als "Doppelblindversuch" bezeichnet, da
    zumeist weder der Klient noch der Coach selbst den "Wirkstoff" der
    Coach-Persönlichkeit kennen. Mit ihrem Buch adressiert die Autorin zwar
    potenzielle Klienten, aus ihrer Argumentation wird aber zusätzlich auch der
    Nutzen für die Person des Coachs ersichtlich, sich mit der eigenen Persönlichkeit
    zu befassen. Denn wie wir aus der Evaluationsforschung wissen, ist die Persönlichkeit
    des Coachs und damit auch die spezifische Coach-Klienten-Beziehung, für den
    Erfolg von Coaching maßgeblich wichtig.
    Tille stellt, orientiert am Enneagramm, neun verschiedene Coach-Persönlichkeiten
    an Hand von Interviews vor und zeigt auf, welche Vorteile und welche blinden
    Flecken jeder Persönlichkeitstyp mit sich bringt. Ziel ist es, potenziellen
    Klienten ein hilfreiches Persönlichkeits-Modell an die Hand zu geben, mit dem
    sie den für sich und ihr Anliegen passenden Coach finden können.
    Wissenschaftlich ist das Enneagramm (nach Helen Palmer u.a.) umstritten, und die
    Literatur zu diesem Thema findet sich häufig im Esoterikregal - doch das Buch
    von Caro Tille öffnet den Blick für die Bedeutung der Persönlichkeit im
    Coaching und kommt keineswegs esoterisch daher. Die Autorin ist
    Diplom-Psychologin mit über 30-jähriger Berufspraxis. Dass sie das Enneagramm
    als Modell benutzt, begründet sie im Vorwort damit, dass es Respekt für unsere
    Unterschiedlichkeit zeigt und trotzdem hilfreiche "Sortierkriterien"
    liefert. Denn, so Tille weiter: "Coachs sind auch nur Menschen."
    Die Darstellung der neun Coach-Persönlichkeiten liest sich humorvoll und
    erfrischend, so dass das Buch rasch verschlungen ist. Die Charakterisierung der
    Persönlichkeiten wird mit Hilfe von Zitaten, Karikaturen und Beispielen unterstützt
    und folgt einer schlüssigen und klaren Struktur. Die Autorin beleuchtet auch
    blinde Flecken und schwierige Aspekte der unterschiedlichen Persönlichkeiten
    auf wertschätzende Weise. Dem Leser wird es durch viele Beispiele und gute
    Beschreibungen leicht gemacht, sich die verschiedenen Persönlichkeitstypen
    vorzustellen und ihre Besonderheiten zu erkennen. Möglicherweise wäre es noch
    verständlicher gewesen, wenn die Theorie des Enneagramms in einem kurzen
    Kapitel zusammengefasst worden wäre. Mit dem Wissen darüber, wie die neun
    Typen theoretisch zustande kommen, könnte sich der Leser diese sicherlich noch
    etwas besser merken und die Persönlichkeit in Erstgesprächen mit Coachs
    leichter wiederfinden.
    Die Reise durch die "Persönlichkeitsinseln", wie Tille sie nennt, ist
    besonders spannend für Leser, die selbst als Coach tätig sind: Zum Einen ist
    das Wiederfinden und Erkennen der eigenen Persönlichkeit interessant, und zum
    Anderen erlaubt das Buch, einen Blick in die ganz persönliche Arbeitswelt und
    -weise anderer Coachs zu nehmen, der sonst häufig verborgen bleibt.

    Alexandra Strehlau

    Coach und Autorin, Osnabrück
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