Kontakt

David Ebermann

Verlag

+49 541 98256-778
redaktion@rauen.de

Kontakt
Nach oben
Christel Schmieling-Burow & Olaf-Axel Burow (2021)

Art-Coaching. Das Potential der inneren Bilder nutzen.

Rezension von Dr. Friederike Höher

Das Autorenteam bereichert die Coaching-Literatur und -Tools um einen eigenen Ansatz, das sogenannte Art-Coaching. Christel Schmieling-Burow und Olaf-Axel Burow verstehen darunter „einen Beratungsansatz, der Dimensionen der Kunst, bzw. ästhetischer und narrativer Ausdrucksverfahren, für den Coaching-Prozess sowie die Personal- und Organisationsentwicklung erschließt.“ (S. 9) Doch nicht nur das: Der erste, theoretische Teil führt zu einer Vorstellung von Art-Coaching als einer „Technologie der Selbstbefreiung im Medium des Bildwissens“ (S. 13), die „auf die Entdeckung unseres wahren Selbst“ (S. 12) zielt und zu Schlüsselkompetenzen einer Wissens-und Kreativgesellschaft führen soll (S. 38).

Die Autoren stellen kundig eine Vielzahl von Bezügen zu den unterschiedlichsten Wissensgebieten her, die den eigenen Ansatz beeinflusst haben: Hirnforschung, Gestalt- und positive Pädagogik, Salutogenese, Entwicklungsstufenmodell (Erikson), eigene Forschung zu kreativen Feldern – bis hin zu Soziologie, Management-Literatur und Ökonomie. 

Zwei Psychologen haben ihnen wichtige Grundlagen geliefert: Ernst Pöppel und Dan P. McAdams. Ersterer mit seiner Unterscheidung der Wissensformen in explizites, implizites und bildhaftes Wissen, wobei vor allem das bildhafte Wissen im Art-Coaching genutzt wird. Letzterer steuerte den narrativen Aspekt zum Art-Coaching bei, die Vorstellung von einer persönlichen Selbsterzählung, eines Heldenmythos, den sich der Mensch zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes erzählt und der sein Wahrnehmen und Handeln leitet. Art-Coaching will auch diese Dimension herausarbeiten.

Das Verfahren erfolgt in drei Schritten.

  1. Analyse des persönlichen Lebensskripts mit Hilfe eines biografischen Fragebogens, der den persönlichen Mythos expliziert
  2. Vertiefung und Verdichtung durch a) Auseinandersetzung mit Kunst und b) die Gestaltung eines „Expressiven Selbstportraits“
  3. Austausch und Reflexion in einer Gruppe und weiteres Peer-Coaching.

Im ausführlichen Praxisteil wird dieses Vorgehen mit Übungsanleitungen, Fragenlisten, Beispielen, Skizzen und Fotos veranschaulicht. Hier sind nochmals theoretische Bezüge eingeflochten, ebenso weitere Übungen für den Entwurf einer Zukunftsvision oder eines „Glücks-Codes“, Meditation und Zukunftsreise, Glückskurve und Lebensbaum. Dabei werden viele typische Coaching-Themen integriert. Ein eigenes Kapitel widmet sich der Arbeit mit größeren Systemen, wobei, wie zuvor, andere bekannte Verfahren adaptiert sind, hier: Zukunftskonferenz und -werkstatt, Design Thinking, Wertschätzende Erkundung, Open Space. In einem gesonderten Kapitel geht es um Selbstführung, „wie Sie sich einen optimalen Arbeitsplatz schaffen“.

Manchmal scheint das Wording zu vielversprechend, denn Grenzen des Ansatzes werden nicht benannt. Notgedrungen sind die Bezüge zu den Quellen oft verkürzt. Denn wie kann man ein so fundiertes Wissen und derartig reichhaltige Erfahrungen in kompakter Form sonst anders vermitteln?

Über das eigentliche Art-Coaching hinaus bietet das Buch gute Anleitungen für die Arbeit mit Einzelnen, Teams und Organisationen. Vieles davon lässt sich unabhängig vom Art-Coaching-Prozess anwenden und sollte die Coaching-Praxis inspirieren.

Fazit: Das Buch ist ungewöhnlich vielfältig, zeugt von reflektierter Praxis und bietet einen Fundus von guten Übungen in einem zukunftsweisenden Konzept.